Webanalyse & Datenschutz | Zwei der beliebtesten Tools im Vergleich


Für den Erfolg Ihrer Website ist es unbedingt notwendig, eine laufende Website-Analyse durchzuführen. Mit Verordnungen wie DSGVO und E-Privacy sind die Vorgaben dafür sehr genau geregelt.


In diesem Guide erklären wir:

  • welche Vorteile Webanalyse mit sich bringt.
  • die Unterschiede der Analyse-Dienste Google Analytics & Matomo.
  • wie Sie DSGVO-konform Tracking betreiben können.

Die nachfolgenden Aussagen haben ausschließlich informellen Charakter und stellen keine Rechtsberatung dar.


Warum Webanalyse betreiben?

In der Regel gibt es für eine Website Ziele, die erreicht werden sollen. Ein Onlineshop soll Produkte verkaufen, ein Blog möglichst viele Leser erhalten, eine Buchungsplattform Zimmer vermieten.

Die Ziele sind also gegeben. Aber wie viele Besucher kommen monatlich? Welche Seiten schauen sie sich an? Wie lange bleiben sie auf einer Seite? Und wie viele tragen schließlich zur Erreichung meiner Ziele bei?

Verschiedene Kennzahlen geben darüber Auskunft und können mit diversen Tools überwacht werden. Darauf basierend können Sie fundierte Geschäftsentscheidungen treffen, um die Metriken zu verbessern.

Außerdem können Sie Fehler der Website ausfindig machen & beheben. Warum landen Besucher auf einer 404-Fehlerseite? Welche Begriffe werden anschließend in der Website Suche eingegeben?


Zwei der beliebtesten kostenlosen Systeme: Google Analytics & Matomo (vorher Piwik)

Google Analytics ist mit Abstand die beliebteste Tracking Software. Viele User verlassen sich darauf, ohne Alternativen in Betracht zu ziehen. Dabei gibt es alternative Tools wie z. B. Matomo, welche viele Vorteile bieten – vor allem in Sachen Datenschutz.

Mittlerweile wird Matomo von 13,3% aller .at Websites verwendet. Bei .de Websites sind es sogar 16,4%. Stand: 07/2022



Anhand folgender Kriterien erklären wir die Unterschiede der beiden Systeme:

  • Installation
  • Hosting & Datenschutz
  • Bedienbarkeit & Kosten
  • Datengenauigkeit
  • Funktionen

Google Analytics – der unangefochtene Marktführer

Das Webanalyse-Tool gehört seit 2005 zu den Google Produkten. Es wurde dem vorherigen Entwickler abgekauft und umbenannt. Seitdem hat es sich zum Marktführer mit über 80 % Marktanteil entwickelt und wird von ca. 50 % aller Websites verwendet. Quelle: w3techs.com


Installation

Die Installation von Google Analytics ist sehr einfach. Man erstellt ein Konto, fügt ein Code-Schnipsel auf der Website ein und schon erfolgt die Datenaufzeichnung.

Vorher müssen unbedingt die nötigen Datenschutz-Einstellungen getroffen und ein Cookie-Banner installiert werden, welcher Besucher über das Tracking informiert und um Zustimmung bittet. Insgesamt dauert die Installation dann doch etwas länger.


Hosting & Datenschutz

Bei Google Analytics findet das Hosting auf Google Servern statt. Sie binden ihr Code-Schnipsel ein, anschließend werden sämtliche Skripte von deren Servern geladen.

Die gesammelten Daten landen wiederum auf Google Servern und damit in einem der vielen Google Rechenzentren. Gegebenenfalls werden die Daten an Server in den USA übertragen. Dort gibt es keine den EU-Regeln entsprechenden Datenschutz-Richtlinien. Es könnte beispielsweise, ohne dass Sie davon wissen, von bestimmten Parteien auf Ihre Daten zugegriffen werden. Rechtlich können Sie dagegen nicht vorgehen.

Seitdem der Europäische Gerichtshof das beschlossene Datenaustauschabkommen „Privacy Shield“ zwischen der EU und den USA gekippt hat, ist eine Übermittlung von personenbezogenen Daten an Unternehmen wie Google, Facebook und vielen weiteren illegal.


Bedienbarkeit & Kosten

Wie überall braucht man auch bei Google Analytics eine Einarbeitungsphase. In den Berichten findet man sich schnell zurecht; wichtig ist es, diese dann auch richtig zu interpretieren. Die Vorteile bei einem so weit verbreiteten System sind, dass es viele Ressourcen zur Recherche gibt und man zu den meisten Fragen schnell eine Antwort findet.

Google Analytics bietet sehr viele Funktionen, die man zur Reichweitenmessung und Analyse des Besucherverhaltens benötigt. Einen Vergleich der Funktionen finden Sie weiter unten.

Ein Vorteil von Google Analytics ist die bessere Kommunikation mit Google Ads. Man kann die beiden Dienste verbinden und anschließend die Werbekampagnen genau analysieren.

Grundsätzlich ist Google Analytics kostenlos. Es gibt zwar Grenzen, ab welchen man auf eine kostenpflichtige Variante wechseln muss. Diese werden aber nur von den wenigsten Websites erreicht.

Da Google aber Zugriff auf alle gesammelten Daten hat, bezahlen Sie quasi mit diesen. Die Daten sind für Google mehr wert, als für die Nutzung des Tools Geld zu verlangen.  


Datengenauigkeit

Grundsätzlich sind die Daten sehr genau. In einigen Fällen kann es aber zum sogenannten Data-Sampling (Stichprobenerhebung) kommen. Das bedeutet, dass zuerst eine Teilmenge Ihrer Daten analysiert wird. Anschließend erfolgt ein Rückschluss auf die Gesamtdaten.

Data-Sampling wird aktiviert, wenn:

  • 500.000 Sessions (Sitzungen) überschritten werden,
  • aber auch bei weniger besuchten Seiten, wenn viele Custom Reports, gefilterte Ansichten und lange Zeiträume verwendet werden.

Bei Analytics sind die sogenannten „Ziele“ auf 25 limitiert. Mit dieser Funktion kann man bestimmte Ereignisse tracken, z. B. wann ein Besucher auf einen bestimmten Button klickt oder er bis zum Ende einer Seite scrollt.

Ziele in Analytics zu setzen, ist für das Testen der Website-Performance sehr wichtig.

Google Analytics Demo mit Daten aus dem Google Merchandise Store


Matomo – die datenschutzfreundliche Alternative ohne Cookie Banner

Bei Matomo (früher Piwik) unterscheidet man zwischen 2 Varianten:

  • Matomo Cloud: kostenpflichtig – Hosting findet auf den Matomo Servern statt
  • Matomo On-Premise: kostenlos – Hosting auf dem eigenen Server/Webspace

  In diesem Guide berichten wir ausschließlich über Matomo On-Premise, weil diese Variante die großen Vorteile in Bezug auf Datenschutz bringt.


Installation

Bei Matomo ist die Inbetriebnahme etwas aufwendiger. Bevor man den Tracking-Code auf der Website einbindet, muss die Software installiert werden. Bei Domaintechnik können Sie das aber ganz einfach über das Control Panel-Modul „Software“ machen.

Anschließend folgt ein ähnlicher Ablauf wie bei Analytics. Sie treffen die nötigen Datenschutz-Einstellungen (IP-Anonymisierung und automatische Löschung der Rohdaten) und fügen den Tracking-Code auf Ihrer Website ein. Die Zustimmung per Cookie Banner ist bei der Verwendung von Matomo On-Premise unter gewissen Umständen nicht notwendig. Mehr dazu unter dem Punkt „Datenschutz“.

Für WordPress Websites gibt es ein eigenes Plugin, welches die Installation und Inbetriebnahme vereinfacht.


Hosting & Datenschutz

Der große Unterschied zu Google Analytics ist, dass die gesammelten Daten auf Ihrem Webspace gespeichert werden und an keinen Dritten gelangen.

Deshalb gilt Matomo in dem Fall als Tool zur Reichweitenmessung anstatt als Analyse-Software. Die Zustimmung des Benutzers ist, wenn Sie die richtigen Einstellungen treffen, nicht notwendig. Wenn Sie also Matomo auf Ihrer Website richtig konfiguriert haben und auf Dienste wie Google Analytics, Google Ads-Remarketing, Facebook Pixel und Co. verzichten, brauchen Sie keinen Zustimmungs-Banner. Hierzu bleibt zu beachten, dass dies keine rechtsverbindliche Auskunft des Matomo Projects darstellt und unbedingt die Opt-Out-Möglichkeit berücksichtigt werden muss.

Vor allem, wenn Sie die gesammelten Daten auf einem Server in Österreich speichern, ist das Tracking mit Matomo rechtlich unbedenklich und entspricht den Datenschutzvorschriften der EU.


Bedienbarkeit & Kosten

Manche Funktionen wie die Geo-Lokalisierung müssen zusätzlich installiert werden. Trotz der etwas aufwendigeren Inbetriebnahme überwiegen die Vorteile eindeutig.

Matomo bedarf ebenfalls einer Einarbeitungsphase. Grundsätzlich sind die Berichte aber sehr einfach aufgebaut. Vor allem, wenn Sie bereits Erfahrung mit Google Analytics haben, werden Sie alle Funktionen von Matomo schnell erlernen. Bei der Demo-Version können Sie sich mit dem Dashboard etwas vertraut machen.

Matomo On-Premise, also die selbst gehostete Version, ist komplett kostenfrei. Es gibt aber einige Premium-Features, die um die 100 € pro Jahr kosten.

Als Analytics Umsteiger wird Ihnen zum Beispiel bald auffallen, dass es keinen „Verhaltensfluss“-Bericht gibt. Dieser ist bei Matomo als Premium Plugin verfügbar und kostet 79 € bzw. für WordPress-Nutzer 39 € pro Jahr.


Datengenauigkeit

In Sachen Genauigkeit lässt Matomo keine Wünsche offen. Im Gegensatz zu Google Analytics werden bei Matomo alle Daten vollständig erhoben und ausgewertet.

Außerdem sind die vorher bereits erwähnten „Ziele“ unbegrenzt verfügbar. Sie können Ihre Website bis ins kleinste Detail analysieren.


Wissenswertes zur Nutzung von Cookies und Gestaltung von Cookie Bannern finden Sie auch in den FAQ der Datenschutzbehörde.


Matomo vs. Analytics – die Funktionen im Vergleich

Bei beiden Tools stehen sehr viele Funktionen zur Verfügung. Beachten Sie, dass einige Funktionen extra installiert/konfiguriert werden müssen und daher nicht standardmäßig getrackt werden. Wir vergleichen hier nur die wichtigsten Funktionen.


Funktion

Matomo

Google Analytics

Seitenaufrufe

Welche Seiten werden am häufigsten besucht, auf welchen Seiten landen die Besucher, wo verweilen sie am längsten u.s.w.

Ja

Ja

Akquisition

Kommen die Besucher von anderen Websites, der Google Suche, Werbeanzeigen oder von sozialen Netzwerken?

Ja

Ja

Technische Details

Welche Geräte, Browser & Bildschirmgrößen verwenden Ihre Besucher & wie lange lädt die Seite?

Ja

Ja

Geografie

Aus welchen Ländern kommen die Besucher & welche Sprache sprechen sie?

Ja

Ja

Echtzeit

Wie viele Besucher sind aktuell auf Ihrer Website und was machen sie?

Ja

Ja

Site Search

Welche Begriffe werden in der internen Website-Suche eingegeben?

Ja

Ja

Verhaltensfluss

In welcher Reihenfolge schauen Ihre Besucher die Website an?

Premium Plugin: 79€ bzw. 39€ (WordPress) p.a.

Ja

Ziele

Definieren Sie eigene Ziele und analysieren Sie z. B. Klicks auf Buttons, Scrolltiefe u.s.w.

Ja

Ja (auf 25 limitiert)

E-Commerce Tracking

Werten Sie Produktverkäufe und Kaufbeträge aus

Ja

Ja

Google Ads Auswertung

Analysieren Sie Ihre Werbekampagnen.

Premium Plugin: 149€ bzw. 79€ (WordPress) p.a.

Ja

Heatmap

Visualisieren Sie das Verhalten Ihrer Besucher (meist geklickte Bereiche und Scrollverhalten).

Premium Plugin: 199€ bzw. 99€ (WordPress) p.a.

Nein

A/B Testing

Vergleichen Sie zwei Versionen einer Seite und erfahren, welche besser ankommt.

Premium Plugin: 199€ p.a.

Mit Google Optimize möglich